Nun ist es soweit. Die Trauben in allen Anbaugebieten in Europa sind geerntet. Nur noch in einigen Parzellen, die für Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen oder Eisweine ausgewählt wurden, hängen noch Weintrauben.
Das Jahr im Weinberg hatte ungewöhnlich früh mit warmen Temperaturen begonnen, so dass in Deutschland (aber auch in einigen anderen Ländern Europas) z.T. drei Wochen früher als üblich mit der Ernte begonnen wurde.

Ausgereifte Trauben ergeben charaktervolle Rotweine
Deutschland: Früher Austrieb der Reben und gesundes Traubenmaterial von Anfang an. Besonders in der Pfalz, Franken und Württemberg gab es im Mai Verluste durch Frost. Im Sommer dann in manchen Gebieten auch Ausfälle durch Hagel. Zwischendurch bestand durch mangelnde Niederschläge die Gefahr von Trockenstress der Pflanzen, die aber durch spätsommerliche Regenfälle gebannt wurde. Die Ernte begann in fast allen Anbaugebieten ca. 3 Wochen früher als normal. Die Qualitäten in allen Gebieten sind gut bis sehr gut und die Mengen liegen nach dem kritischen 2010er Jahrgang wieder auf fast normalem Niveau.
Frankreich: Sehr früher Erntebeginn auch in Frankreich. Der Jahrgang wird im Bordeaux kompliziert. Z.T. sind die Trauben nicht voll ausgereift und durch die in manchen Unterregionen feuchte Witterung trat ungewünschter Botrytisbefall auf. Winzer, die nicht konsequent das faule Traubengut ausgelesen/entfernt haben, werden in diesem Jahr keine guten Weine erzeugen können. Stéphane Derenoncourt, Oenologe und Berater namhafter Châteaux fasst den Jahrgang wie folgt zusammen: „Der Jahrgang ist stark geprägt von dem feuchten atlantischen Klima. Die Weine haben weniger Struktur und eine geringere Reife als in den beiden Vorjahren. Kein exotischer, ein klassischer Jahrgang.“
In Südfrankreich ist man mit der Ernte 2011 mengenmäßig und qualitativ zufrieden. Abgesehen von Hagelschäden im April gab es kaum Probleme und es gibt sogar die Chance auf einen (weiteren) großen Jahrgang der legendären Rhôneweine wie Chateauneuf du Pape. Aus den meisten anderen Anbaugebieten kann man mit qualitativ guten Weinen und normalen Erntemengen rechnen.

In flachen Lagen kann der Vollernter eingesetzt werden
Italien: Dank des optimalen Reifeverlaufs in den meisten Anbaugebieten wurde hier ebenfalls ca. 2 Wochen früher als üblich geerntet. Es gibt mengenmäßige Einbußen bis zu 25% (Süditalien). Norditalien hat etwas geringere Verluste, die sich im Durchschnitt bei ca. 15% bewegen. Dies ist z.T. durch die kalte Witterung während der Blüteperiode oder durch feuchtigkeitsbedingte Probleme wie Falscher Mehltaubefall in einigen Gebieten Siziliens zu erklären. Insgesamt ist dies die kleinste Erntemenge Italiens seit 60 Jahren! Qualitativ jedoch ist man in den meisten Regionen zufrieden, der Direktor des Önologen Verbandes, Giuseppe Martelli, spricht von einer „Fünf-Sterne-Ernte”. Erste Ergebnisse wird man Ende des Jahres bei den einfacheren Qualitäten sehen und schmecken können.
Spanien: Das Weinjahr 2011 war in Spanien teilweise schwierig. Trockenheit, Hagel, Mehltau und Nässe setzten den Reben zu. Im Rioja z.B. gab es bis zu 30% Ertragseinbußen durch zu wenig Regen. Die Qualität dort wird allerdings leicht über dem Durchschnitt liegen. Ähnlich erging es den Winzern in der Navarra und im Penedès. Kleine Mengen mit guter Qualität werden vorhergesagt. In der Ribera del Duero ist man abgesehen von den kleinen Mengen recht zufrieden. Aufgrund der hohen Oechslegrade könnten die Weine hier recht alkoholisch werden.
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